Festtag für einen Haudegen

Salomon Landolt (1741-1818) war ein glänzendes Beispiel für das Wechselspiel, das zwischen Politik und Kultur möglich ist. Am 6. Mai wird in Greifensee der 200. Todestag des Landvogts gefeiert. Das sollte man auf keinen Fall verpassen.

 

Die wöchentliche Zugabe von Manfred Papst

am 26.4.2018 in der «NZZ am Sonntag»

 

(Bild: Pascal Mora)



Haben Sie am kommenden Sonntag schon etwas vor? Nein? Dann lade ich Sie herzlich ein nach Greifensee. Dort wird nämlich im Schloss der 200. Todestag des Landvogts Salomon Landolt (1741-1818) feierlich begangen. Musik aus seiner Zeit erklingt. Peter Goetsch ist als anekdotenreicher Vogt auf der Bühne zu erleben. Maximale Unterhaltung und minimale kulinarische Versorgung sind garantiert. Es gibt Chorlieder, Lesungen, Kartoffelsuppe, Käse und ein hinreissendes Kinderprogramm. Von 10 Uhr 30 bis 16 Uhr 30 dauert das Spektakel. Der Eintritt ist frei, alle Menschen von Verstand und Geschmack sind willkommen. Man kann kommen und gehen, wann man will.

 

Wieso ich diesen Anlass anpreise? Das hat mehrere Gründe. Zum einen bin ich selbst ein überzeugter Greifenseer. Zum anderen aber ist mir Salomon Landolt ein Anliegen: Der Mann war ein glänzendes Beispiel für das Wechselspiel, das zwischen Politik und Kultur möglich ist. Er war zwar eine Kriegsgurgel, aber auch Zeichner und Maler.

Unter Friedrich dem Grossen studierte er das preussische Militärwesen. Immer wieder übernahm er Ämter im Heer. Seine Zeit als Landvogt in Greifensee war nur ein Zwischenhalt. Er wirkte auch in Neftenbach, Küsnacht, Eglisau und Maur. Alle diese Gemeinden werden ihn heuer noch würdigen.

 

Als Lokalpolitiker wäre Landolt längst nur noch ein Name für Ortsmuseen und eifrige Gymnasiallehrer. Dass er seinen Platz in der Ewigkeit hat, verdankt er allein Gottfried Keller und dessen Meisternovelle «Der Landvogt von Greifensee». In ihr lädt der alte Soldat seine Verflossenen, die ihm allesamt Körbe gegeben haben, zu einem Treffen auf dem Schloss ein.

 

Jeder von ihnen macht er im Voraus weis, sie sei die einzige Auserwählte. Und jetzt knüpft der Landvogt, wie es in einem Brief Gottfried Kellers heisst, «ihnen die Haare ineinander, dass es eine Hauptlustbarkeit absetzt». Das ist fürwahr eine ganz köstliche Verstrickung.

 

Die kleine Geschichte mag uns manches lehren. Punkt eins: Was ein Landvogt so tut und lässt, ist sub specie aeternitas ziemlich unerheblich. Punkt zwei: Sein Erdenwallen findet allenfalls Erwähnung in einer schmalen Monografie, nämlich in der von David Hess aus dem Jahr 1820, die immerhin Goethe lobend wahrgenommen hat. Punkt drei: Am Ende bleibt die Literatur. Und im besonderen Fall Landolts und Kellers: die Weltliteratur.

 

Wenn wir am 6. Mai Landolts gedenken, dann feiern wir natürlich auch die historische Figur, deren Bilder der blutjunge Keller unübertrefflich als «Blitz- und Knall-Kosakereien für alte Kriegsgurgeln» und als «schnurrige Laune des seligen Eisenfressers» apostrophiert hat.

 

Der langen Rede kurzer Sinn: Kommen Sie nach Greifensee!

 

https://nzzas.nzz.ch

 

 

 

 

 

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Präsidentin Verein Projekt Salomon Landolt in seiner Zeit


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